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Die Kreidetafel

Zeilen auf der Tafel gehalten

gartenDer Biergarten

Der Sonntagsausflug

Der Sonntagsausflug ins Dorf: wie Bielefelder Familien nach Theesen wanderten, und was die Gaststätte damit zu tun hatte.

Geschrieben von Henning Voss · korrigiert von Wiebke Dralle · · 3 Min.

Eine Familie in Sonntagskleidung der 1920er Jahre auf einem Feldweg am Stadtrand mit einem Ausflugslokal im Hintergrund
Der Weg war kurz, der Anlass war groß: der Sonntagsausflug. Bild: das Kreidetafel-Archiv

Die Chronik nennt den Grund, warum der Biergarten wuchs: das Haus wurde zum beliebten Ausflugsziel der Bielefelder. Ausflugsziel ist ein Wort, das eine ganze Sonntagsordnung enthält. Die Stadt war nah, das Dorf war grün, und dazwischen lag der Weg, den die Familien gingen, weil der Sonntag es so vorsah. Wer den Ausflug las, las den Sonntag einer ganzen Stadt, und las das Haus, das ihn auffing, als er ankam.

In anderen Sprachen wird derselbe Sonntag protokolliert: a mountain magazine about the Sunday outing führt das Weiter, was auf unserer Tafel nur eine Zeile ist.

Die Strecke des Sonntags

Theesen lag nah genug an Bielefeld, um erreicht zu werden, und weit genug, um ein Ausflug zu sein. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, später mit der Straßenbahn oder dem Bus. Die Strecke war Teil des Vergnügens: wer aus der Stadt kam, hatte den Weg verdient, und wer am Gartentisch ankam, hatte sich das Bier erwandert. Der Ausflug begann vor der Haustür und endete am Stammtisch des Gartens.

Die Ordnung des Ausflugs war genau getaktet. Man ging am Morgen oder nach dem Mittag, man kam zum Kaffee oder zum Bier, man saß zwei Stunden und ging zurück, bevor es dunkel wurde. Das Haus wusste den Rhythmus und kochte danach: der Kuchen für den Nachmittag, der Braten für den Sonntag, das Bier für alle Stunden. Der Ausflug war ein kleiner Betrieb mit eigenen Zeiten, und das Haus war seine Endstation.

Was das Haus dem Ausflug bot

Das Ausflugslokal musste bieten, was die Stadt nicht hatte: Luft, Platz, den Pavillon, den Kaffee am Nachmittag und das Bier unter dem Baum. Die Speisekarte des Sonntags war die Kaffeetafel, der Braten, das Eis für die Kinder. Wer diese Ordnung hielt, hatte am Sonntag volle Bänke, während die Stadt leer stand.

Der Ausflug als Geschäft

Der Sonntagsausflug war für das Haus der Unterschied zwischen Dorfgaststätte und Ausflugslokal. Die Gäste kamen nicht zum Essen allein, sie kamen für den Tag. Das Haus lebte vom Wetter und vom Kalender, und die Chronik weiß das: der Garten wurde erweitert, weil der Ausflug wuchs, nicht umgekehrt.

Der Ausflug machte aus dem Dorf eine Etappe der Stadt. Wer aus Bielefeld kam, brachte die Stadt mit: die Kleidung, die Kinder, die Erwartung an den Tag. Das Dorf empfing sie, weil sein Haus es konnte, und das Haus empfing sie, weil es der Garten erlaubte. So wurde der Sonntagsausflug zum Verkehr zwischen Stadt und Dorf, der nicht auf Straßenkarten stand, sondern auf den Karten der Wirtshäuser.

Was der Garten verdankte

Alles, was der Garten wurde, verdankte er dem Ausflug: die Bänke, der Pavillon, der Schatten, die Bedienung im Freien. Der Biergarten ist das Denkmal des Sonntagsausflugs, und die Chronik der Theesener Stätte ist einer der Orte, an denen man ablesen kann, wie eng Haus und Ausflug zusammenhingen.

Der Ausflug war für beide Seiten ein Vertrag. Die Stadt bot ihre Gäste, das Dorf bot seinen Garten, und das Haus stand in der Mitte und hielt beide zusammen. Als der Ausflug aus dem Kalender verschwand, verlor das Haus mehr als Gäste: es verlor den Grund seines Gartens. Die Zeile bleibt, weil sie erklärt, warum die Biergärten der Dorfgaststätten überhaupt gebaut wurden, und warum so viele heute leer stehen.

Warum die Zeile bleibt

Der Ausflug ist aus dem Kalender verschwunden, aber die Orte sind noch lesbar. Die Zeile bleibt, weil sie erklärt, warum ein Dorf am Stadtrand einen Garten brauchte, der größer war als sein Dorf. Wer den Garten las, las die Stadt, die sonntags kam, und las den Sonntag, der das Haus groß machte. Wer den Ausflug versteht, versteht auch den Garten, den Pavillon und die Extrakarte, denn sie alle waren die Antwort desselben Hauses auf dieselbe Frage: was tut man mit den Gästen, die sonntags kommen.

Ein Feldweg zwischen Wiesen mit Wanderern in der Ferne
Ein Wanderstock und eine geflochtene Ausflugstasche auf einer Holzbank
Der Feldweg und der Garten, in dem der Ausflug endete. Bild: das Kreidetafel-Archiv

Weiter auf der Tafel

Der Biergarten und die Nachbarzüge, der Reihe nach.